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Diese drei Dinge liegen der „Hochkirchlichen Bewegung“ besonders am Herzen. Ihr besonderes Kennzeichen im Unterschied zu den o. g. "liturgischen Bewegungen" ist dabei die „hohe Wertschätzung des durch apostolische Sukzession übertragenen geistlichen Amtes“, das dreifach gegliedert ist: Diakonat - Presbyterat - Episkopat.
Wie wird diese Hochschätzung des kirchlichen Amtes, der Sakramente und des Gottesdienstes begründet?
Im Mittelpunkt alles Christseins steht das große Geheimnis der Inkarnation. Von Gott im Himmel wissen auch die Heiden; das Neue Testament verkündet Gott, der auf die Erde kam. An Gott im Himmel glauben ist leicht, denn es ist ziemlich unverbindlich. Der Glaube an Gott, der in die irdische Wirklichkeit einging, fordert alle Kräfte. Denn daß Gott einging in den Leib eines Menschen, daß er weiter gegenwärtig ist im Taufwasser, Brot und Wein besagt ja, daß er die ganze irdische Wirklichkeit durchdringen und erlösen will; daß er sie damit auch als sein Eigentum beansprucht. Gott, der in die Wirklichkeit einging, legt damit seine Hand auf alles – nicht nur auf die geistigen Bereiche, sondern auch auf den Leib, auf den Besitz, auf alle Gedanken und Wünsche. Nur wer sich so von ihm überwältigen ließ, versteht die großen Verheißungen: die Auferstehung des Fleisches, die Wiederherstellung der ganzen leiblichen Wirklichkeit. Darum beruhen im Grunde alle Häresien aller Zeiten darauf, daß das große Geheimnis der Inkarnation nach der einen oder anderen Seite abgeschwächt wird. Ob man Christus zum bloßen Menschen oder zum bloßen Gottwesen macht, ob man die Heilstaten ins Symbolische verflüchtigt oder die Sakramente als gleichnishafte Handlungen umdeutet – in jedem Falle will man im geheimen Gott auf höfliche Weise aus der Welt hinauskomplimentieren. Alle Häresien besagen zuletzt: für ihn der Himmel, für uns die Erde.
Es dreht sich also alles um die reale Wirklichkeit. Auch damals drangen in die Gemeinden Strömungen ein, die das Christusgeschehen ins Gleichnishafte und die Erlösung ins Geistige verflüchtigen wollten. Die leibliche Realität des Christusgeschehens wird für den einzelnen zur Wirklichkeit im Sakrament. (...) Das Sakrament ist der Mittelpunkt des kirchlichen Geschehens; in ihm konzentriert sich die Inkarnation gleichsam wie in einem Brennpunkt. Von hier strahlt sie aus in alle Bezirke des Daseins. Das Geheimnis der Inkarnation kann verstanden werden nur im Zusammenhang mit einer auf Christus ausgerichteten Lebensführung, in der die Verleiblichung Gottes sich umsetzt in gelebtes Leben. „Die der Gabe Gottes widersprechen, sterben an ihrem Streit.“ Und auch die helfende Liebe steht in unabtrennbarer Wechselwirkung zum Sakrament. Sie stirbt ab, wo sie nicht vom gegenwärtigen Christusleben her gespeist wird, und umgekehrt verlegt ihr Mangel den Weg zum Verständnis des Sakramentes. (...)
(Schließlich) kommt das Geheimnis der Kirche in Sicht. In ihr setzt sich fort, was in Bethlehem geschah: das Eingehen Gottes in die irdische Wirklichkeit, in Materie und Alltag, in Schmerz und Tod. In ihr beginnt die große Verwandlung aller Dinge.Auszug aus Helmut Echternach: "Kirchenväter, Ketzer und Konzilien" Vandenhoeck & Ruprecht, 1962
Darum ist ein hochkirchlich gesonnener Christ grundsätzlich antignostizistisch eingestellt.
Darum denkt ein "hoch-kirchlicher" Christ hoch von der sakramental verstandenen Kirche als dem Ort der aktuellen Inkarnation und kann man von ihm eine "hohe Kirchlichkeit" erwarten.
Darum ist die hochkirchliche Bewegung nicht nur eine liturgische Bewegung.
Ein Interesse an Liturgie kann man auch aus ästhetischen Gründen haben. Es geht
aber im christlichen Gottesdienst nicht um Ästhetik, sondern darum, daß GOTT SELBST
inmitten der Seinen ist durch Amt, Wort und Sakrament.
Darum ist die hochkirchliche Bewegung zum Beispiel an der Amtsfrage und der apostolischen Sukzession interessiert. Es geht nicht um eine Priesterdiktatur oder die Befriedigung des Geltungsdranges Einzelner, sondern um die Wirklichkeit der tatsächlichen Gegenwart des Herrn inmitten der Seinen durch die, die an Seiner Statt handeln.
Darum ist die hochkirchliche Bewegung eine Heiligungsbewegung. Denn wir werden nicht durch unsere moralischen Klimmzüge geheiligt, sondern durch den Heiligen Geist, "der Herr ist und lebendig macht". Den Heiligen Geist aber erlangen wir nicht durch eigene Vorbereitung Gedanken und Werke! Gott (und nicht Menschen!) hat das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sakrament gegeben, wodurch er, als durch Mittel, den heiligen Geist gibt. (Augsburgisches Bekenntnis, Artikel V)
"Gott ist im Fleische: wer kann dies Geheimnis verstehen?
/
Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen."
Lied: Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Engel, in Chören, EG
41,4
siehe auch:
Buchempfehlung: "Segen, Amt und Abendmahl"
Bibel und apostolische
Sukzession
Stimuli et clavi
(22 sec)
Zum Teil etwas längere Ladezeiten! Die geschätzte Zeit bezieht sich auf eine angenommene Modemgeschwindigkeit von 56,6 kBps.