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Die Apostelgeschichte als hochkirchliches Dokument (II)

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Inhaltsverzeichnis

Kap 6

6.1. Einsetzung der erste Diakone

Kap 8

8.1. Verse 4 – 25: Die Firmungen in Samaria
8.2. Verse 26-40: Der Kämmerer aus Äthiopien

Kap 9

9.1. Verse 1 – 19: Die Bekehrung des Paulus
9.2. Verse 32 – 43: Wunder des Petrus

Kap 10

10.1. Im Haus des Kornelius

Kap 11

11.1. Autorität und Argumente

Kap 12

12.1. Verse 1- 17: Tod des Jakobus und Befreiung des Petrus
12.2. Verse 18 – 25: Ende des Herodes Agrippa

Kap 13

13.1. Vers 1: Vermögende Gemeindeglieder
13.2. Verse 2 – 3: kirchliche Sendung
13.3 Verse 49 – 50: Verfolgungen

Kap 14

14.1. „Ekklesia“ und geordnetes Amt

Kap 15

15.1. Das Apostelkonzil

Kap 16

16.1. Stellvertretender Glauben

Kap 17

17.1. Keinen falschen Eifer!

Kap 18

18.1. Nachteile in Kauf nehmen

Kap 19: In Ephesus

19.1. Verse 1 – 7: Die Johannesjünger
19.2 Verse 11 – 12: Reliquien

Kap 20

20.1. Verse 6 – 12: Sonntag und Abendmahl
20.2. Verse 19 – 38: Presbyter und Bischöfe

Kap 21

21.1. Ehe und Ehelosigkeit

Kap 27

Kap 28

 

Kap 6

6.1. Einsetzung der erste Diakone

Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, daß wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen.

Das „Bedienen der Tische" war, so scheint es, Aufgabe der Apostel. Wir denken hier an die wunderbaren Speisungen Tausender durch Jesus, bei denen die Apostel die „Tischgemeinschaften“ (Mk 6,39) bedienen mußten.

Als die Zahl der Jünger zunahm, schaffen die Apostel die viele Arbeit nicht mehr. Eine unbefriedigende Situation für alle. Und so wie Moses auf den Rat seines Schwiegervaters Helfer einsetzte, setzen nun die Apostel ihrerseits Helfer ein. Diesen Helfern übertrugen die Apostel einen Teil ihrer apostolischen Aufgaben und die dazu nötigen Teil-Vollmachten.

Die Gemeinde wird aufgefordert, sich nach sieben Männern in ihrer Mitte umzusehen, die einen guten Ruf haben und voll heiligen Geistes und Weisheit sind und sie den Aposteln zu präsentieren. Sie werden für dieses Amt allerdings von der Gemeinde nur vorgeschlagen. In ihr Amt eingesetzt[28] werden sie nicht von der Gemeinde, sondern von den Aposteln - durch Gebet und Handlauflegung.

 Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie.

An der Ordination der ersten Diakone wird exemplarisch gezeigt, daß jede Ordination durch eine segnende Handauflegung vollzogen wird. Ohne Handauflegung und Gebet kommt keine Ordination zustande.

Kap 8

8.1. Verse 4 – 25: Die Firmungen in Samaria

Hier haben wir einen der wichtigsten Texte der Bibel zur Firmung! Eine ausführliche Darlegung aller Aspekte zu diesem Thema ist allerdings nicht Aufgabe dieses Schnelldurchganges durch die Apg. Nur einige Punkte sollen hier angesprochen werden.

Ein gläubiger evangelischer Christ würde sagen, daß die Samaritaner mit Taufe und Glauben alles empfangen hätten, was Gott an himmlischer Gnade geben will.
Die Hl. Schrift belehrt uns allerdings eines Besseren. Trotz des Glaubens, trotz ihrer Taufe: Lukas schreibt, erstaunlicherweise, daß die Samaritaner "nur Getaufte“ waren:  "mónon dè bebaptisménoi".

Eine erstaunliche Formulierung! Von Christen zu sagen, wie Lukas es tat, daß sie „nur“ Getaufte sind, bringt einem heute sicher von manchen Theologen eine harte Rüge ein, weil es so aussieht, als würde man die hl. Taufe als ergänzungsbedürftig ein- und damit geringschätzen.
Auf diesen Vorwurf reicht es schon zu erwidern, daß die hl. Firmung nicht mehr und nicht weniger eine Ergänzung der Taufe ist, als etwa das hl. Abendmahl eine solche Tauf-Ergänzung ist.

Hat etwa Lukas die Taufe gering geachtet, als er schrieb, daß da welche "nur getauft" waren? Nein! Wer wollte so töricht sein und ihm das unterstellen?

Die Taufe ist nicht hoch genug zu preisen! Aber sie ist doch nicht alles! Sollte jemand von der Taufe gering denken, bloß weil er daran festhält, daß Gott noch mehr als die Taufe für uns bereithält? 

Daß die Samaritaner „allein getauft waren“ bedeutete auch ganz und gar nicht, daß da zu ihrer Errettung etwas fehlte! Die Herr selbst sagt:

Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.
Mk 16,16

Von der Firmung ist in diesem Zusammenhang nicht die Rede. Daß die getauften Samaritaner „nur Getaufte" waren, bedeutete also gewiß nicht, daß zu ihrer Errettung etwas fehlte!
Aber es bedeutet, daß Gott noch mehr für sie bereit hatte: Seinen Hl. Geist! Sich selbst! Er will nicht nur an ihnen wirken, sondern in ihnen wohnen. Der Hl. Geist soll nicht nur bei uns sein, sondern in uns, wie Jesus es in Seiner Abschiedsrede (Joh 14,17) zu den Aposteln sagte.

Diese noch fehlende himmlische Gnadengabe des Hl. Geistes konnte den getauften Samaritanern durch den vollmächtigen Dienst des Diakons Philippus nicht gegeben werden. Dieser Mann predigte zwar, daß eine ganze Stadt zum Glauben kam und er tat sogar Wunder. Er taufte viele. Aber den Getauften den Hl. Geist zu spenden, war den Aposteln vorbehalten!
Daß tatsächlich nicht jeder Christ diese Vollmacht hat, wird aus dem weiteren Bericht der Apg deutlich. Der getaufte und gefirmte Christ Simon hatte sie nicht und wollte sich diese spezielle Vollmacht von den Aposteln darum für Geld kaufen.

Gott wollte gewiß, daß nicht nur in der Anfangszeit der Kirche, in der es Apostel gab, den Getauften die Gabe des Hl. Geistes verleihen wird. Es ist der Glauben der Kirche, daß diese Vollmacht von den Aposteln auf ihre Nachfolger übergehen mußte. Diese Nachfolger sind die in apostolischer Sukzession geweihten Bischöfe.[29]

Für gewöhnlich erhebt sich von evangelischen Christen Protest dagegen, daß man den Hl. Geist durch die Firmung empfangen soll. Es wird regelmäßig auf Apg 2,38 und auf Eph 1,13 verwiesen und gesagt: Das Siegel des Hl. Geistes empfängt man durch die Taufe bzw. den Glauben. Was ist dazu zu sagen?
Liest man genau nach, so stellt man fest, daß Petrus in seiner Pfingstpredigt in Apg 2,38 gar nicht gesagt hat, daß man durch die Taufe den Hl. Geist empfängt. Er sagte, daß man getauft wird „zur Vergebung der Sünden“, aber nicht, daß man getauft wird „zum Empfang des Geistes“.
Luthers Übersetzung der Pfingstpredigt des Petrus ist leider etwas mißverständlich. Man könnte tatsächlich aus dieser Übersetzung schlußfolgern, daß der Geistempfang eine direkte Folge der Taufe wäre. Die Elberfelder Bibel übersetzt es genauer und darum besser:

Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

Petrus redet hier nicht von zwei gleichzeitig passierenden Dingen, sondern eher von einer Reihenfolge! Die Zuhörer sollen Buße tun und sich taufen lassen. Anschließend werden sie die Heilsgabe des Hl. Geistes empfangen. Das geschieht durch die Firmung, die hier im von Lukas überlieferten Text der Pfingstpredigt allerdings nicht extra erwähnt wird. Lukas überliefert allerdings nicht den gesamten Text der Pfingstpredigt des Petrus, wie in Apg 2,40a ausdrücklich erwähnt wird.

Wie verhält es sich mit Eph 1,13?
Auch hier ist Luthers Übersetzung mißverständlich: 

In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit - in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der verheißen ist.

Die Formulierung „als ihr gläubig wurdet“ läßt bei uns leicht den Eindruck entstehen, daß Zum-Glauben-kommen und Geistempfang zwei gleichzeitig ablaufende Vorgänge sind und man durch das Zum-GlaubenKommen den Hl. Geist empfangen würde. Wieder hilft hier dem der griechischen Sprache unkundigen Bibelleser ein Blick in die vortreffliche, weil unverdächtige Elberfelder Übersetzung. Und da sieht die ganze Sache denn doch anders aus:

In ihm <seid> auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung.

Das griechische Wort "pisteúsantes" (Partizip Aorist von pisteúein = glauben) wird hier in der Elberfelder Übersetzung völlig korrekt übersetzt. Denn mit dem Partizip Aorist wird in der griechischen Sprache des NT ein Vorgang als zeitlich vor dem Hauptverb geschehen gekennzeichnet. Hätte der Apostel Gläubigwerden und Versiegelung als gleichzeitig geschehen kennzeichnen wollen, hätte er eine andere grammatische Form benutzen müssen.
Das Hauptverb ist in diesem Satz "esfragístete" (ihr wurdet versiegelt). Demnach schrieb Paulus also ausdrücklich, daß das Gläubigwerden der Epheser vor der Versieglung mit dem Heiligen Geist stattfand. Sie wurden also nicht „als“ sie zum Glauben kamen mit dem Geist versiegelt, sondern „nachdem“ sie zum Glauben gekommen waren.

Daß die Epheser, ebenso wie die Samariter und die anderen gläubigen Christen schon vor der „Versiegelung mit dem Geist der Verheißung“ nicht völlig „geistlos“ waren und sind, kann man allerdings aus 1 Kor 12,3 schlußfolgern. Denn dort wird gesagt, daß man schon die Hilfe des Geistes braucht, um überhaupt glauben zu können. Auch in der Taufe handelt ganz gewiß Gott, der Hl. Geist, an dem Täufling. Und gottlob hat der Hl. Geist nicht aufgehört, an der ungefirmten evangelischen Christenheit zu wirken. Aber der Hl. Geist will eben nicht nur an uns wirken, sondern in uns wohnen.

 

8.2. Verse 26-40: Der Kämmerer aus Äthiopien

Verstehst du auch, was du liest?
Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet?

Offensichtlich versteht man die Bibel nicht von selbst. Das sagt hier die Bibel klar und deutlich von sich selbst. Es ist also durchaus „biblisch“, sich im rechten Verständnis der Hl. Schrift anleiten zu lassen. Für gewöhnlich wird hier von den meisten evangelischen Christen auf den Geist der Wahrheit, verweisen, der in alle Wahrheit leitet.[30]

Es ist nun aber sehr bezeichnend, daß Gott dem Kämmerer aber den Hl. Geist nicht sozusagen auf den Kopf fallen ließ, als der in der Bibel las. Das rechte Verständnis der Hl. Schrift bekam der Kämmerer durch die Kirche Jesu Christi. Diese Kirche kam zu ihm in Gestalt eines einzigen Menschen aus Fleisch und Blut.

So ist es durchweg in der Hl. Schrift: Auch ein Apostel Paulus, der von einer göttlichen, himmlischen Stimme zu Boden geworfen wurde, wurde zu dem Menschen Hananias geschickt. Und der Hauptmann Cornelius, dem ein Engel bescheinigte, daß seine Gebete erhört und seiner Almosen gedacht worden war, wurde doch an Petrus gewiesen, um von diesem Menschen unterrichtet zu werden. Die christliche Lehre hätte Cornelius durchaus von diesem Engel lernen können, aber es gefiel und gefällt Gott, sich dazu des Dienstes von Menschen aus Fleisch und Blut zu bedienen.

Gott handelt in der Regel nicht unmittelbar, sondern mittelbar an uns. Er benutzt Dinge wie Wasser, Öl, Brot und Wein um an uns zu handeln. Er benutzt Menschen, um an Menschen zu handeln. Wem das nicht fromm genug ist, der will frömmer sein als Gott!

Aber auch der Diakon Philippus, bei dem der Kämmerer lernte, hat das rechte Verständnis der Hl. Schrift nicht von einer „himmlische Stimme“ gelernt, sondern bei den Aposteln Jesu Christi.

Doch auch die Apostel sind nicht von alleine drauf gekommen. Auch die Apostel Jesu Christi haben das Verstehen der Hl. Schrift gelernt und empfangen. Lukas schreibt in seinem Evangelium:

Da öffnete Jesus den Aposteln das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden.[31]

So gibt es also eine „Kette des Verstehens“:

  1. Jesus öffnete den Aposteln das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden.

  2. Die Apostel öffneten dieses Verständnis wieder anderen, wie zum Beispiel dem Diakon Philippus.

  3. Dieser gab das empfangene rechte Schriftverständnis weiter an den Kämmerer und dieser wieder weiter an andere.

So und nicht anders ist auch das rechte Schriftverständnis auf uns Heutige gekommen. Dieses Schema von „Empfangen und Weitergeben“ ist bekannter unter dem Namen „Tradition“ bzw. „Überlieferung“. Nicht nur die Schrift wird empfangen und weitergegeben, sondern auch das rechte Schriftverständnis.

Diese so verstandene Tradition ist auch eine apostolische Nachfolge, eine apostolische Sukzession.
Man darf die Apostolische Sukzession also nicht nur ausschließlich als eine Segens- und Weihekette verstehen, die von Christus über die Apostel bis auf uns gekommen ist, sondern auch eine Kette des Schriftverständnisses und der Lehre.
Man darf jedoch nicht die Sukzession der Ämter und die der Lehre gegeneinander ausspielen. Es nützt die schönste und lückenloseste Sukzession in den apostolischen Ämtern nichts, wenn nicht auch die Nachfolge in der apostolischen Lehre da ist. Den Evangelischen jedoch, die die Sukzession des Amtes für unnötig erachten und sich darauf berufen, sie hätte ja die der Lehre, sei geraten, die Augen aufzutun und sich die Zustände in ihren Kirchen und Gemeinden besser anzuschauen. Was dort oft offiziell durch Wort und Tat gelehrt wird kann man kaum als in der Lehrnachfolge der Apostel stehend erkennen.

Kap 9

9.1. Verse 1 – 19: Die Bekehrung des Paulus

Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, daß du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest.

In der kirchlichen Überlieferung heißt es, daß Hananias der Bischof von Damaskus war und zu den zweiundsiebzig Jüngern[32] gehört haben, die Jesus ausgesandt hatte. Er wurde zu Saulus gesandt, der in der Apg übrigens nicht schon seit seiner Bekehrung mit seinem römischen Namen Paulus genannt wird, sondern erst ab Apg 13,9, wo er  sozusagen "eintritt" in die Kultur der römischen Welt.

Es heißt: Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf Saul und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, … daß du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest.“ Daß Hananias hier ausdrücklich eine Handauflegung zum Zwecke des Geistempfanges nennt, sollte uns zu denken geben und uns an Apg 8,17 erinnern.

9.2. Verse 32 – 43: Wunder des Petrus

Die Apostel haben Wunder getan wie Jesus. Sie haben Kranke geheilt und sogar Tote auferweckt. Jesus hatte ihnen aber versprochen, daß sie noch größere Wunder als er tun würden.[33] Was kann Er gemeint haben?

Wir können hier unter anderem durchaus an die Schriften des NT denken. Verglichen mit diesen Schriften, die durch die Jahrhunderte Trost und Weisung für Millionen waren und bis heute neben den Sakramenten der größte Schatz der Kirche sind, sind die wenigen Totenerweckungen relativ „kleine“ Wunder. Die verlängerten ja nur das irdische Leben der Betroffenen um ein paar Jahre. Sie sind allerdings auch für uns als Beglaubigungswunder wertvoll. Wenn die Apostel tatsächlich Tote auferwecken konnten, dann war es ihnen durch den Hl. Geist auch möglich, unfehlbare hl. Schriften zu verfassen.

Kap 10

10.1. Im Haus des Kornelius

Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten.

Dies ist der mir einzige bekannte Fall, in dem es Gott gefiel, vor dem Empfang der Taufe die Gabe des Heiligen Geistes mitzuteilen und zwar unmittelbar wie am Pfingstfest, also nicht verbunden mit einer Handauflegung.

Läßt sich daraus ein Einwand gegen die Tatsache geltend machen, daß die Getauften die Gabe des Heiligen Geistes durch eine Handauflegung empfangen sollen?

Nein! Hier lag eine besondere göttliche Absicht vor. Es sollte dadurch dem Petrus und den Gläubigen aus dem Judentum lediglich aufs deutlichste gezeigt werden, daß die Nichtjuden auch ohne die Annahme der Beschneidung und des mosaischen Gesetzes in die Kirche hineingehen könnten.
Aus diesem Vorgang können wir lernen, daß Gott über seinen Ordnungen steht, während er uns Menschen daran gebunden hat. Denn auch Kornelius und die Seinen, obwohl sie den Heiligen Geist unmittelbar vom Herrn empfangen hatten, mußten dennoch danach, um in die Kirche Aufnahme zu finden, der göttlichen Ordnung gemäß das Sakrament der Taufe empfangen.

Kap 11

11.1. Autorität und Argumente

Ich halte es für bemerkenswert, daß Petrus hier nicht einfach nur auf seine hohe Autorität pocht (Joh 21,15!), und die Kritik an seiner Vorgehensweise nicht kurz und bündig mit einem knappen Hinweis auf sein hohes Amt abschmettert. Er antwortet ruhig und vernünftig.

Das ist eine Bibelstelle der Apg, die sich Pastoren immer wieder vor Augen halten müssen, denn an Kritik, ob berechtigt oder nicht, wird es ihnen nie mangeln. Nicht immer wird es bei uns so ausgehen wie bei Petrus, wo die Kritiker am Ende schwiegen und Gott lobten. Wer jedoch vernünftigen Argumenten nicht zugänglich ist, bei dem nützt auch alles Pochen auf Amtsautorität nicht viel.

Kap 12

12.1. Verse 1- 17: Tod des Jakobus und Befreiung des Petrus

Auf den bedenkenswerten Umstand, daß nach dem Martyrium des Jakobus nichts über die Berufung eines neuen Apostels berichtet wird, wurde schon unter Punkt 1.6. hingewiesen. Die Nachfolger der Apostel sind nicht immer wieder „neue“ Apostel, sondern die Bischöfe.

Jakobus starb nicht wegen selbstausgedachter Mythen. Er wußte ganz genau, daß er den Auferstandenen gesehen und mit Ihm gegessen hatte. Insofern ist das Martyrium der Auferstehungszeugen ein Beweis für die Historizität der Auferstehung und ein Gottesbeweis.

Berichtet dies Jakobus und den Brüdern“ sagt Petrus, bevor er Jerusalem verließ. Gewiß meint er hier den Bruder des Herrn, denn der andere Jakobus war hingerichtet worden.

Der Herrenbruder Jakobus scheint demnach in Jerusalem eine herausragende Rolle gespielt zu haben. Und in der Tat: Der Apostel Jakobus gilt als der erste Bischof von Jerusalem. Eusebius zitiert in seiner Kirchengeschichte aus dem „Sechsten Buch der Hypotyposen“ des Klemens (um 200 n. Chr.):

Petrus, Jakobus und Johannes sollen nach der Himmelfahrt des Heilands, weil sie schon vom Heiland mit besonderen Ehren ausgezeichnet worden waren, nicht um Geltung gestritten, sondern Jakobus den Gerechten zum Bischof von Jerusalem gewählt haben.

Ein Apostel als Bischof! Paulus zählt ja den Bruder des Herrn im Brief an die Galater zu den Aposteln.[34] Daß Jakobus ein Apostel war, war gewiß auch Klemens bekannt, als er die Nachricht weitergab, daß Jakobus der erste Bischof von Jerusalem war. Im übrige verweise ich hier auf das unter Punkt 1.6. Gesagte. 

12.2. Verse 18 – 25: Ende des Herodes Agrippa

Und an einem festgesetzten Tag legte Herodes das königliche Gewand an, setzte sich auf den Thron und hielt eine Rede an sie.
Das Volk aber rief ihm zu: Das ist Gottes Stimme und nicht die eines Menschen!
Alsbald schlug ihn der Engel des Herrn, weil er Gott nicht die Ehre gab.

Auch der jüdische Historiker Josephus Flavius berichtet über dieses Ereignis: Zu Ehren des Kaisers veranstaltete Herodes Agrippa in Caesarea Festspiele. Am zweiten Tag begab sich Agrippa schon früh am Morgen in einem Gewand, das ganz aus Silber gewirkt war, zum Theater. Durch die strahlende Sonne leuchtete das Silber so sehr im schimmernden Glanz, daß die Augen der Umstehenden geblendet wurden. Da riefen ihm seine Schmeichler von allen Seiten zu und nannten ihn Gott. Kurze Zeit später spürte er heftige Schmerzen im Leib. Man trug ihn schnell in seinen Palast. Noch fünf Tage litt er Qualen in seinen Eingeweiden, bis er schließlich starb.[35]

Eine ernste Warnung an alle, die in besonderen Amtsgewändern das Wort an eine Versammlung zu richten haben! Hier sieht man, was geschehen kann, wenn man nicht Gott die Ehre gibt. Die Apostel Paulus und Barnabas zerrissen in Lystra lieber ihre Kleider, als daß sie sich göttliche Ehren gefallen ließen, und riefen:

Ihr Männer, was macht ihr da? Wir sind auch sterbliche Menschen wie ihr.

Hätte Herodes Agrippa genau doch genau so gehandelt!

Kap 13:

13.1. Vers 1: Vermögende Gemeindeglieder

Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus.

In der christlichen Gemeinde fand man von Anfang an auch prominente Leute wie Manaën, der mit Herodes, dem Vierfürsten, aufgezogen worden war oder auch die Purpurhändlerin Lydia. Manaën als „Milchbruder“ eines fürstlichen Landesherrn zum Beispiel war gewiß auch vermögend.

Das ist ein Argument gegen die weit verbreitete Meinung, die erste Kirche hätte nur aus Sklaven, Armen und Benachteiligten bestanden und das, was wir als „schöne Gottesdienste des Herrn“ bezeichnen, wäre damals schon aus finanziellen Gründen gar nicht möglich gewesen.

13.2. Verse 2 – 3: kirchliche Sendung

Als sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der heilige Geist: Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe.
Da fasteten sie und beteten und legten die Hände auf sie und ließen sie ziehen.

Im AT wird dieses Wort "dem Herrn dienen" ausschließlich vom priesterlichen Dienst gebraucht. Hier ist gewiß der christliche Gottesdienst gemeint. 

Paulus oder Barnabas werden nicht als Einzelkämpfer losgeschickt. Auch Jesus sandte seine Jünger immer zu zweit aus.[36] Kirchlicher Dienst ist nichts für Einzelkämpfer! Gerade hochkirchliche Christen sollten sich dessen bewußt sein und eben weil sie oft so vereinzelt stehen, sich um Gemeinschaft mühen. Hochkirchliche Arbeit ist nichts für Individualisten, obwohl sich gerade unter hochkirchlichen Evangelischen viele Individualisten finden. Nicht jeder, der allein ist, ist unschuldig daran! Selbstgewählte Absonderung aber ist verderblich.

Auch jemand, dem der Hl. Geist direkt einen Auftrag gegeben hat, kommt nicht grundsätzlich ohne die Aussendung der Kirche aus. Und doch: obwohl die Gemeinde gefastet und gebetet hatte und man Paulus und Barnabas die Hände aufgelegt hatte, heißt es dann in Vers 4:

Nachdem sie nun ausgesandt waren vom heiligen Geist …

Gesandt zu sein durch Menschen und den Hl. Geist ist kein Widerspruch!

Dieser Text ist auch nicht unwichtig für die Ordinationstheologie. Insbesondere ist die Frage bedenkenswert, warum den zweifellos schon in den Ordo eingegliederten Paulus und Barnabas hier die Hände aufgelegt werden. Vermutlich handelt es sich hier um einen Stärkungssegen. 

Wichtig ist auch der Hinweis auf das Fasten. Der Heilige Geist kommt schwerlich in einen vollen Bauch und in ein zerstreutes Gemüt. Lange Zeit war das Fasten in der evangelischen Christenheit fast verschwunden. Manche Wiederbelebung des Fastens geht allerdings neuerdings eher auf das Konto des um sich greifenden Fitneß- und Gesundheitswahns.

13.3 Verse 49 – 50: Verfolgungen

Aber die Juden hetzten die gottesfürchtigen vornehmen Frauen und die angesehensten Männer der Stadt auf und stifteten eine Verfolgung an gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihrem Gebiet.

Einer der vielen Stellen der Apg, in der von einer von der Synagoge ausgehenden Verfolgung der Apostel die Rede ist.
Die größten Probleme hatten die Apostel offensichtlich nicht mit den gottlosen Heiden, sondern mit den jüdischen, fast könnte man sagen: kirchlichen Behörden!

Noch um das Jahr 200 nennt Tertullian die Synagogen den „Quelle der Verfolgungen“. (Tertullian, Scorpiace 10: "fontes persecutionum"). Und im bald nach den Ereignissen um das Jahr 155 verfaßten Bericht über das Martyrium des Bischofs Polykarp von Smyrna  wird der Eifer geschildert, mit dem die Juden in ihrem Hass gegen die Christen die Heiden noch übertrafen.

Kap 14:

14.1. „Ekklesia“ und geordnetes Amt

Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben, und sagten: Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen.
Und sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein, beteten und fasteten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren.

Daß Paulus und Barnabas die Jünger „stärkten“, ist der erste Punkt, auf den ich kurz Eure Aufmerksamkeit lenken möchte. Vermutlich ist das Erste, was man sich für gewöhnlich darunter vorstellt, daß sie mit vielen und guten Worten den Jüngern Mut zusprachen.

Gewiß haben sie das auch getan. Aber vielleicht ist hier noch mehr gemeint. Es genügt wahrscheinlich der Hinweis, daß das Wort „stärken“ hier in der lateinischen Übersetzung der hl. Schrift mit „confirmare“ wiedergegeben ist. Paulus und Barnabas stärkten die Jünger nicht nur mit Worten, sie „confirmierten“ sie. 

Des weiteren sei, um auf dieser Tagung Wiederholungen und Überschneidungen mit anderen Vorträgen zu vermeiden, lediglich darauf hingewiesen, daß die Jüngergruppen, die in Kleinasien infolge der ersten Missionsreise entstanden, in der Apostelgeschichte erst dann als „ekklesía“ (= Gemeinde bzw. Kirche) bezeichnet werden, als es in ihnen ein geordnetes Amt gab: Vers 23!
Ich verweise hier zurück auf Punkt 2.1. dieses Vortrages: Gemeinde ist nicht dort, wo Mitglieder sich zu einem Verein zusammenschließen, sondern wo Gott durch den Dienst Seiner Knechte an Wort und Sakrament Sein Volk sammelt und einzelne „hinzufügt“ zum Leib Christi, der immer schon da ist. Von Christus her über das von Ihm gestiftete Amt wird die Gemeinde gebaut und geführt. Nur als solche von oben her gebaute und geführte Gemeinschaft ist sie Gemeinde Gottes im biblischen Sinn.

Überall im Neuen Testamente sehen wir, daß das heilige Amt die Gemeinden erzeugt, nirgends, daß das Amt ... nur eine Übertragung gemeindlicher Rechte und Machtvollkommenheit sei, daß die Gemeinde das Amt gebe.[37]

Kap 15

15.1. Das Apostelkonzil

Als sie aber nach Jerusalem kamen, wurden sie empfangen von der Gemeinde und von den Aposteln und von den Ältesten. …
Da traten einige von der Partei der Pharisäer auf, die gläubig geworden waren, und sprachen: Man muß sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten.
Da kamen die Apostel und die Ältesten zusammen, über diese Sache zu beraten.

Empfangen wurden Paulus und Barnabas in Jerusalem von der Gemeinde und von den Aposteln und von den Ältesten. Auf dem sogenannten Apostelkonzil „über die Sache beraten“ haben aber offensichtlich nur die Apostel und die Ältesten. Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß Gemeindeglieder anwesend waren, denn in Vers 12 ist von einer „Menge“ die Rede.

Petrus hält sich zuerst zurück. Erst als man „lange gestritten hatte, stand Petrus auf“ (V. 7) und sorgte für einen ruhigen Austausch von Argumenten. Hier zeigt sich, wie wohltuend es ist, Autoritäten an der Spitze zu haben, die sich gleichwohl zurückzunehmen wissen.
Jakobus, der Bruder des Herrn zeigt schließlich den Weg zu einer Lösung, die von allen mitgetragen werden kann.
Bei diesem ersten Konzil der Kirche gab es einen Konsens der Apostel und Ältesten (= Priestern), jedoch keine Ex-Cathedra-Entscheidung eines Einzelnen, aber auch keine demokratische Abstimmung mit Abstimmungssiegern und –verlierern.

Die Entscheidungen des Konzils, die in 16,4 als "dógmata" bezeichnet werden, ergehen nur im Namen der Apostel und Ältesten, nicht jedoch im Namen der Gesamtgemeinde![38]
Die Gemeinde ist lediglich an dem Beschluß mitbeteiligt, „aus ihrer Mitte Männer auszuwählen“, die Paulus und Barnabas nach Antiochia begleiten sollten. Vermutlich, um den dortigen Kritikern der beiden zu bestätigen, daß der schriftliche Entscheid des Apostelkonzils rechtmäßig zustande gekommen war. Vielleicht hat man hier auch an Dtn 19,15 zu denken.

Die Beschlüsse des Apostelkonzils wurde anschließend den Gemeinden der Kirche nicht als Grundlage für weitere Diskussionen oder als Materialsammlungen für eine weitere Meinungsbildung übergeben, sondern „damit sie sich daran hielten“![39]

Wie sollen sie auch anders, denn es heißt im Vers 28 im schriftlichen Konzilsentscheid

es gefällt dem heiligen Geist und uns, ... .

Wie anders als "unfehlbar" sollte man einen Entscheid nennen, der vom Heiligen Geist und den Aposteln solcherart autorisiert worden ist?

Dennoch - oder gerade deswegen! - wurden die dógmata von den Gemeinden als paráklesis, also als Trost und Zuspruch verstanden und keineswegs als Knebelung.[40]

Kap 16

16.1. Stellvertretender Glauben

Hier haben wir zwei der drei Berichte aus dem NT, in denen von der Taufe ganzer Häuser berichtet wird.[41] Es ist sehr unwahrscheinlich, daß es in diesen drei „Häusern“ nicht ein einziges Kind gegeben haben sollte.

Das Besondere an der Geschichte von der Bekehrung des Kerkermeisters ist indes, daß hier von der Möglichkeit eines stellvertretenden Glaubens geredet wird:

Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!

Mit anderen Worten: Wenn der Kerkermeister an Jesus Christus glaubt, wird er gerettet und seine Familie.

Auch an anderen Stellen im NT finden wir den stellvertretenden Glauben, so zum Beispiel dort, wo Jesus den Glauben der Träger des Gelähmten sieht, aber zum Gelähmten sagt, daß ihm seine Sünden vergeben sind.

Man könnte überlegen, ob nicht auch hinter den in 1 Kor 15,29 erwähnten Taufen für die Toten der Gedanke eines stellvertretenden Glaubens steckt. Paulus tadelt diese Taufen zwar nicht, doch haben sie sich nicht durchgesetzt und wir wissen wenig darüber.

Kap 17

17.1. Keinen falschen Eifer!

Paulus ergrimmte zwar völlig zu Recht, als „er die Stadt voller Götzenbilder sah“ doch geht er nicht mit einem Hammer auf die Götzenbilder los noch mit Beschuldigungen auf die Athener. In seiner ausführlichen Predigt zitiert er noch nicht einmal die Bibel!
Das soll uns nun nicht dazu anleiten, die Bibel zu verschweigen, denn die biblische Botschaft verschweigt Paulus ja auf dem Areopag nicht. Hier kann man aber (wenn man will) von Paulus lernen, klug und mit Fingerspritzengefühl vorzugehen, und in hochkirchlichen ebenso wie in allen anderen durchaus berechtigten Anliegen nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.

Kap 18

18.1. Nachteile in Kauf nehmen

Vorsteher der Synagoge[42] zu sein, war gewiß eine ehrenvolle Sache. Als Paulus nach Korinth kam, hatte Krispus dieses achtbare Amt inne. Anderthalb Jahre später sehen wir jedoch nicht mehr Krispus, sondern Sosthenes als Synagogenvorsteher. Daß Krispus nicht mehr Vorsteher war, hing gewiß damit zusammen, daß er Christ wurde. Lieber gab Krispus ein ehrenvolles Amt auf, als die Wahrheit. Auch uns kann es passieren, daß wir um erkannter Wahrheiten willen Nachteile in Kauf nehmen müssen.

Kap 19: In Ephesus

19.1. Verse 1 – 7: Die Johannesjünger

Zur Taufe der Johannesjünger und zum Zusammenhang zwischen Taufe und Firmung wurde schon unter Punkt 8.1. etwas gesagt: Auch hier fragt Paulus: „Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid“ und nicht, ob sie Ihn empfangen haben, als sie gläubig wurden

19.2 Verse 11 – 12: Reliquien

Gott wirkte nicht geringe Taten durch die Hände des Paulus.
So hielten sie auch die Schweißtücher und andere Tücher, die er auf seiner Haut getragen hatte, über die Kranken, und die Krankheiten wichen von ihnen, und die bösen Geister fuhren aus.

Gemäß der römisch-katholischen Einteilung handelt es sich hier um Reliquien 2. Klasse, also nicht um Überreste des Heiligen selbst, sondern um Gegenstände, die der Heilige zu seinen Lebzeiten berührt hat.

Schon im Kap 5 der Apg hieß es, daß man die Kranken auf die Straßen hinaustrug und sie auf Betten und Bahren legten, damit, wenn Petrus käme, wenigstens sein Schatten auf einige von ihnen fiele. Es steht allerdings dort nicht, daß es befohlen wurde und auch nicht, was mit den Kranken geschah, wenn denn der Schatten des Petrus auf sie fiel. Hier im Kapitel 19 nun wird ebenfalls nichts von einer Anordnung, so zu verfahren, aber es wird auch kein Tadel geäußert. Vor allem aber steht hier, was geschah, als die Reliquien „benutzt“ wurden. Ein Text, der vor allem evangelikale Christen ärgert. Es ist aber nicht der einzige Bericht der hl. Schrift, in dem Reliquien positiv erwähnt werden: Im AT finden wir in 2 Kön 13 den erstaunlichen Bericht von einem Toten, der wieder lebendig wurde, nachdem er mit den Reliquien des Propheten Elias in Kontakt kam.

Reliquien und ihre „Benutzung“ sind in der Bibel weder geboten noch verboten. Man sollte allerdings nichts übertreiben. Auch nicht die Beschäftigung mit Reliquien. Doch ist auch der vehemente grundsätzliche Widerspruch gegen alles, was mit Reliquien zu tun hat (vor aus allem sich selbst als bibeltreu bezeichnenden Kreisen) biblisch ganz und gar nicht begründbar. Das hält sie allerdings in den seltensten Fällen davon ab, diese Ding weiterhin zu "verteufeln". Daß es sich bei diesen Verdammungen lediglich um tradierte antikatholische Ressentiments handelt, wird spätestens dann klar, wenn man völlig vergeblich auf die positiven biblischen Beispiele hinweist.

Andererseits soll man – wie bereits gesagt – nichts übertreiben. Der Gebrauch von Reliquien gehört nicht zu den wichtigsten Dingen, um die sich die kleine hochkirchliche Bewegung sorgen sollte.

Interessant ist jedoch die hier besprochen Bibelstelle für die Segenstheologie. Offensichtlich kann sogar Gegenständen sozusagen in übertragbarer Weise die Kraft des Hl. Geistes innewohnen. Denn diese Kraft muß von Paulus auf seine Taschentücher und von diesen wiederum auf die Kranken und Besessenen übergegangen sein.

Kap 20

20.1. Verse 6 – 12: Sonntag und Abendmahl

Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus, und da er am nächsten Tag weiterreisen wollte, zog er die Rede hin bis Mitternacht.

Diese gottesdienstliche Zusammenkunft fand am „ersten Tag der Woche“ statt. Nach unserer Rechnung also an einem Sonntag! Daß der Montag als erster Tag der Woche gilt, wurde in Deutschland erst vor 30 Jahren festgelegt.

Von einer Versammlung am Sabbat, dem siebenten Tag der Woche, hören wir in der Apg nur etwas, wenn es um jüdische Synagogengottesdienste geht. Die Christen versammelten sich schon in neutestamentlicher Zeit hingegen am Sonntag. Es ist darum nicht wahr, wenn behauptet wird, daß die Sonntagsfeier erst von Kaiser Konstantin eingeführt wurde oder gar das in der Offb vorhergesagte Malzeichen des Anti-Christus wäre.

Daß ein Sonntagsgottesdienst am Vormittag stattfindet, scheint jedoch nicht wichtig gewesen zu sein. Der Gottesdienst lag zeitlich sicher immer so, daß zum Beispiel auch Sklaven, die sich nicht den Tag und die Woche nach Belieben einteilen konnten, die Gelegenheit hatten an ihm teilzunehmen. Darum feierte man wohl auch in Troas am Abend und dann bis nach Mitternacht.

Ein Arbeitsverbot für den Sonntag finden wir im NT nicht. Wir dürfen annehmen, daß es am christlichen Sonntag nicht um die Arbeitsruhe geht, sondern um den Gottesdienst. Der Sonntag wird zum Sonntag wegen des Gottesdienstes, nicht wegen der Arbeitsruhe. Der Sonntag ist kein christlicher Sabbat. Der jüdische zeichnete sich ja dadurch aus, daß ein Jude keinerlei Arbeiten tun durfte. Zweck des christlichen Feiertages ist aber der Gottesdienst, nicht die körperliche Erholung.
Dennoch ist die Arbeitsruhe möglichst einzuhalten. Sie hat nämlich einen guten Sinn: Man hat Zeit und ist frei, um am Gottesdienst teilnehmen zu können. Die Geschichte von Maria und Marta[43] kann uns helfen, das zu verstehen. Der Herr lobte Maria nicht, weil sie nichts tat, sondern weil sie sich dem Herrn zu Füßen setzte und seiner Rede zuhörte. Das konnte sie aber nur, weil sie nichts anderes tat.

Der Gottesdienst am Sonntag war den Christen so heilig und wichtig, daß der Apostel Paulus ihn nicht versäumen mochte, auch wenn er am nächsten Tag einen strapaziösen Fußmarsch Reise beginnen wollte und vielleicht besser beizeiten schlafen gegangen wäre.

Was war nach dem biblischen Bericht der Zweck dieser gottesdienstlichen Versammlung? Das Brot zu brechen! Hauptzweck des urchristlichen Gottesdienstes war das Hl. Abendmahl, nicht aber die Predigt. Gepredigt wurde natürlich auch und in diesem Fall sogar sehr lange. Aber als Hauptzweck ist eben doch das Hl. Abendmahl angegeben.
Das soll natürlich nicht heißen, daß Lesungen, Lieder, Gebete und Predigt nicht in einen Gottesdienst gehören. Aber einen Gottesdienst, in dem nur gebetet, gesungen, gelesen und gepredigt worden wäre, hätten die ersten Christen nicht als vollständigen christlichen Sonntagsgottesdienst erkannt.
Das hätte übrigens auch Martin Luther nicht als vollständigen Sonntagsgottesdienst erkannt. Noch Jahrhunderte nach seinem Tod feierten die lutherischen Gemeinden in jedem Sonntagsgottesdienst das Hl. Abendmahl.

Luther schätze allerdings wie kaum ein anderer die gottesdienstliche Predigt hoch ein und sein bleibendes Verdienst für die Kirche ist, daß er die ausführliche Predigt in den Sonntagsgottesdienst zurückbrachte. Denn zu seiner Zeit war die Römisch-Katholische Kirche gelegentlich ins andere Extrem verfallen und predigte im Sonntagsgottesdienst kaum noch. Es wurde nur noch das Hl. Abendmahl gefeiert. Solche Einseitigkeiten wie etwa nur noch zu predigen oder nur noch das Abendmahl zu feiern, lehnte Luther ab – und wir mit ihm.

Hochkirchliche Christen bestehen mit der hl. Schrift darauf, daß zu einem vollständigen christlichen Gottesdienst nicht nur die Predigt, sondern auch das Hl. Abendmahl gehört. Denn so wichtig eine gute, schriftgemäße Verkündigung ist: nur im Hl. Abendmahl bekomme ich den wahren, für mich gegebenen Leib Christi und Sein für mich vergossenes Blut.

20.2. Verse 19 – 38: Presbyter und Bischöfe

Habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der euch der heilige Geist eingesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, die er durch sein eigenes Blut erworben hat.

Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch kommen, die die Herde nicht verschonen werden.

Auch aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die Jünger an sich zu ziehen.

Paulus sagt voraus, daß aus den Reihen der ordinierten Amtsträger Verführungen ausgehen werden. Denn Paulus redet zu Ältesten, die zweifelsfrei in apostolischer Sukzession standen. Daß jemand also in apostolischer Sukzession steht, will an sich noch nicht viel heißen. Ich erinnere an die zweifache apostolische Sukzession: die des Amtes und der Lehre. 

Die Ältesten, zu denen der Apostel diese erschütternden Dinge sagt, sind keineswegs mit den heutigen Kirchenältesten vergleichbar. Gemeindekirchenräte mit sogenannten „Ältesten“, die sich alle paar Jahre wieder zur Wahl stellen müssen, sind eine neuzeitliche Erfindung und kommen im Neuen Testament und der Urkirche an nicht einer einzige Stelle vor! Mit den „Presbytern“, zu denen Paulus spricht, sind die ordinierten Pastoren aus Ephesus gemeint, nicht aber auf Zeit gewählte Mitglieder eines Gemeinde-(Vereins)-vorstandes!

Diese Ältesten bzw. Presbyter werden hier von Paulus auch als Bischöfe angesprochen. Sind sie nun Presbyter oder Bischöfe? Oder handelt es sich hier um ein und dasselbe Amt und es gibt gar keinen Unterschied zwischen Priestern und Bischöfen der Kirche. Das war jedenfalls die Meinung des Kirchenvaters Hieronymus und der ihm hierin folgenden lutherischen Reformation.

Hier der Versuch einer Antwort: Am Anfang der Kirchengeschichte, gab es nach dem Zeugnis der Apg ein dreifach gegliedertes Amt:

  1. Apostel,

  2. Presbyter, die man anfangs auch Bischöfe nannte und

  3. Diakone

Später wurden dann einzelne Christen von den Aposteln als ihre Stellvertreter und späteren Nachfolger eingesetzt. Die Briefe an Titus und Timotheus legen Zeugnis von den Aufgaben solcher Apostelstellvertreter und -nachfolger ab, die jeweils mehreren Presbytern vorgesetzt waren.

Die Amtsbezeichnung Bischof "wanderte" dann von den Presbytern zu den Apostelnachfolgern und war ab der nach-neutestamentlichen Zeit ausschließlich ihnen vorbehalten.

Das dreifach gegliederte Amt blieb jedoch erhalten. Nun aber nicht mehr:

  1. Apostel.

  2. Presbyter bzw. Bischöfe,

  3. Diakone

sondern:

  1. Apostelnachfolger, die man ab der nach-neutestamentlichen Zeit „Bischöfe“ nannte.

  2. Presbyter

  3. Diakone

Wenn wir also das Wort „Bischof“ im NT lesen, ist noch nicht das gemeint, was wir später darunter verstehen. Den Dienst der Apostelnachfolger gab es schon zur Zeit des NT, nur wurden die damals eben noch nicht „Bischöfe“ genannt.

Verwirrung kann hier nur entstehen, wenn man lediglich nach den wechselnden Bezeichnungen fragt und nicht nach den Sachen, die durchaus verschieden bezeichnet werden können.

Von den Presbytern bzw. Bischöfen aus Ephesus sagt Paulus, daß der Hl. Geist sie eingesetzt hätte. Hier kann allerdings keineswegs ein Gegensatz zu einer Amts-Einsetzung durch Menschen zu konstruiert werden.
Eine Grundkrankheit des Protestantismus ist es nämlich, daß allüberall und unnötigerweise schroffe Antithesen und unangemessen Alternativen aufgestellt werden. Es gibt natürlich auch in der Hl. Schrift schroffe Alternativen, so zum Beispiel die zwischen Gott und den Götzen oder Christus und Beliar (2 Kor 6,15). Die Alternative „Geist oder Amt“ ist aber schlichtweg falsch. Sich „Amt“ und „Geist“ nur im krassen „Entweder-Oder“ denken zu können, offenbart vielmehr Unverständnis betreffs der biblischen Sicht des Amtes und der Wirkungsweise des Hl. Geistes.

 Und als er das gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen.

Hier, wie in 21,5 heißt es, daß Paulus zum Gebet niederkniete. Es gilt mitunter als echt protestantisch, grundsätzlich nicht zu knien: weder beim Gebet, noch bei der Kommunion noch sonstwann. In der äußeren Haltung „äußert“ sich allerdings im wahrsten Sinne des Wortes die innere Haltung, die man hat. Wer nun Gott äußerliche Ehrerbietung grundsätzlich verweigert, dem wird sie gewiß auch innerlich fehlen. Und in der Tat scheinen sich manche Christen wie auf einer Stufe mit Gott stehend zu betrachten. Vielleicht kommt daher der geheime, niemals ausgesprochene und verborgene Wunsch, Gott zu demütigen. Das aber ist zutiefst „unevangelisch“! Diese geheime Regung wohnt offenbar im Herzen eines jeden sündigen Menschen, und leider auch - tief verborgen - im Herzen manches frommen Christen.

 „Fasten und leiblich sich bereiten“ und „eine feine äußerliche Zucht“, wie Luther das nannte, aber auch das Knien, des Bekreuzigens werden oft verächtlich „Äußerlichkeiten“ genannt. Diese Verachtung der leiblich-körperlichen Dimension des Glaubens geschieht leider immer wieder aus übergeistlichen und somit pseudogeistlichen Motiven. Wie es scheint, ist die Gnosis eine Ahnin des Protestantismus. Wer aber frömmer sein will als Gott, ist es überhaupt nicht.

Zu den Aufgaben der kleinen hochkirchlichen Bewegung in der evangelischen Christenheit gehört es nicht nur, wie Elia den zerbrochenen Altar des Herrn wieder aufzubauen. Heißt hochkirchlich gesonnen sein, die Leiblichkeit Gottes in der Welt ernst zu nehmen, heißt es auch, die Leiblichkeit der Gläubigen und des Glaubens ernst zu nehmen und die Gemeinde dahingehend zu erziehen.

Kap 21

21.1. Ehe und Ehelosigkeit

Wir kamen nach Cäsarea und gingen in das Haus des Philippus, des Evangelisten, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm.
Der hatte vier Töchter, die waren Jungfrauen und weissagten.

Hier kann man sich Gedanken über verheiratete Amtträger machen. Wir gehen natürlich davon aus, daß die Töchter des Philippus innerhalb einer Ehe geboren wurden. Ob vor oder nach seiner Ordination zum Diakon wissen wir nicht. Wenn er vorher schon verheiratet gewesen war, dann war die Ehe kein Ordinationshindernis und wenn er danach geheiratet hat, scheint das nicht zum Verlust des Amtes geführt zu haben, denn er wird als einer der Sieben und als Evangelist vorgestellt.
Auch von Aposteln ist bekannt, daß sie verheiratet waren und blieben:  

Haben wir nicht auch das Recht, eine Schwester als Ehefrau mit uns zu führen wie die andern Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas?[44]

fragt Paulus die Korinther.

Andererseits scheint auch die Ehelosigkeit um Christi willen hier in der Apostelgeschichte hoch geschätzt zu werden: Von von den Töchtern des Philippus heißt es, daß sie Jungfrauen waren. Hier gehen wir nun davon aus, daß diese Ehelosigkeit freiwillig und um Christi willen war und nicht etwa, daß die Töchter des Philippus so häßlich waren, daß sie keinen Mann fanden, der sie heiraten wollte. Es ist also biblisch nicht zu begründen, daß sich jemand, der um Christi willen und freiwillig ehelos bleibt, sich heutzutage mitunter Verdächtigungen ausgesetzt sieht oder in einen Rechtfertigungszwang gerät.

Andererseits ist es aber auch nicht biblisch zu begründen, daß von einem Amtsträger verlangt wird, er müsse unbedingt verheiratet sein. Mitunter werden nämlich von Evangelikalen in Diskussionen um den Zölibat der Priester römisch-katholischen Christen die Bibelstellen 1 Tim 3,2; 3,12 und Tit 1,6 entgegengehalten. In denen heißt es nämlich, daß ein Bischof bzw. Diakon  Mann einer (einzigen) Frau sein solle. Es liegt aber auf der Hand, daß hier der Schwerpunkt der Aussage nicht darauf liegt, daß ein Amtsträger verheiratet sein müsse, sondern daß er es - wenn er es ist - mit einer (einzigen) Frau ist. Polygamisten scheiden also aus. Auf die Frage nach einer "sukzessiven" Polygamie durch Scheidung und Wiederheirat soll hier jedoch ebenso wenig eingegangen werden wie auf die Klärung des Problems, ob diese Bibelstellen eine Wiederverheiratung eines verwitweten Amtsträgers der Kirche ausschließt.

Kap 27

In Vers 35 könnte man das Hl. Abendmahl gemeint sein.

Kap 28

Hier sei lediglich das Heilung bringende Gebet mit Handauflegung von V. 8 hervorgehoben.

Zum Schluß weise ich auf Vers 22 hin, wo Vertreter der jüdischen Gemeinde über den christlichen Glauben sagen:

Von dieser Sekte ist uns bekannt, daß ihr an allen Enden widersprochen wird.

Wir sollten uns nicht wundern, wenn auch uns an allen Enden widersprochen wird. Vor allem, wenn Widerspruch aus einer Ecke kommt, aus der man ihn eigentlich nicht erwartet. Schon der Herr kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Die Knechte sind nicht größer als ihr Herr.

Gewiß gilt aber auch nicht das Prinzip: Viel Feind – viel Ehr! Je mehr Widerspruch, desto besser.
Obwohl in Ketten (V. 20)

nahm (Paulus) alle auf, die zu ihm kamen,
predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.

Und das sollten wir auch tun, auch wenn wir zwar nicht in Ketten sind, aber doch nicht immer so frei, wie wir uns das vielleicht wünschen.

Matthias Niche

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[28] kathístemi: hinstellen; kathístemi tína epí tínos: jmdn. über etwas einsetzen, jmdm. etwas übertragen.

[29] Siehe Punkt 1.4. und 1.6.3.

[30] Joh 16,13

[31] Lk 24,45

[32] Lk 10,1

[33] Joh 14,10

[34] Gal 1,19

[35] Jüdische Altertümer, XIX, 8, 2.

[36] Mk 6,7; Lk 10,1

[37] Löhe: Aphorismen über die neutestamentlichen Ämter, 1848. Werke V/1, 294-297

[38] 15,23; 16,4

[39] 16,4

[40] 15,31

[41] sonst noch 1 Kor 1,16

[42] archi-synágogos

[43] Lk 10,38ff.

[44] 1 Kor 9,5

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