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Schafe ohne Hirten

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Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Unser Herr Jesus Christus spricht: Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Mt 7,15f.

Es ist nicht bemerkenswert, daß Jesus vor Lügenpropheten warnt.
Bemerkenswert ist ganz etwas anderes: Diese Lügenpropheten verkleiden sich offensichtlich nicht als Hirten, sondern als Schafe! Das sollte uns zu denken geben!

Dazu eine kleine Geschichte:

Die Ratsversammlung der Wölfe tagte. Der Große Oberwolf richtete das Wort an die Versammelten: „Liebe grausame Mitwölfinnen und Mitwölfe! Wir sind hier zusammengekommen, um Beschlüsse zu fassen. Denn so geht es nicht mehr weiter. Die Schafe werden immer fetter und wir werden immer magerer.“
Der Erste Stellvertreter des Großen Oberwolfes knurrte ihn an: „Was sollen wir denn machen. Daran sind die Hirten Schuld! Den lieben langen Tag und die ganze Nacht hindurch sind sie auf den Beinen. Sie versorgen die Schafe. Sie zeigen den Schafen, wo es lang geht. Sie geben ihnen, was sie brauchen. Darum sind die Schafe so gesund und wohlgenährt.
Aber die Hirten geben auch ebenso gut Acht auf die Schafe. Sie passen zu gut auf. Und darum sind wir so krank und mager. Solange die Schafe Hirten haben, haben wir keine Chance. Denn solange die Hirten die Schafe haben, haben wir sie nicht, ob es uns paßt oder nicht.“
Beifälliges Geknurre und Gejaule erhob sich: „Recht hat er“, bellte ein, von frischen Wunden übersäter, räudiger Rüde mittleren Alters. „Aber das war immer so und wird immer so bleiben! Schafe haben Hirten und solange das so ist, ist es schwierig für uns.“
Ein anderer Wolf erwiderte: „Dann muß man eben dafür sorgen, daß die Schafe keine Hirten haben.“
„Wie willst du das schaffen? Du kannst nicht alle Hirten fressen. Für einen Hirten, den wir umbringen, kommen drei neue. Das weißt du doch ganz genau. Schau dir meinen Pelz an. Ich bin letztens nur knapp mit dem Leben davongekommen.“

Schweigend saßen die Wölfe da. Sie wußten alle, daß er Recht hatte. Gegen die Hirten hatten sie nur wenig Chancen.
Da erhob ein alter Wolf seine Stimme und sprach. In Bosheit war er alt und grau geworden und Bosheit funkelte aus seinen blutunterlaufenen Augen. „Vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit. Ich habe lange darüber nachgedacht. Was wir mit Macht nicht erreichten, erreichen wir vielleicht mit List.“
„Rede weiter“, forderte ihn der Große Oberwolf auf. Alle wandten sich gespannt dem Alten zu. Und der sprach: „Laßt die Schafe für uns erledigen, was wir nicht können. Laßt sie selbst ihre Hirten abschaffen!“

Da lachten alle und der Erste Stellvertreter des Großen Oberwolfes sprach zu ihm: „Alt bist du geworden und nun wirst du kindisch auf deine alten Tage! Was redest du da für einen Unfug? Die Schafe werden dir diesen Gefallen nicht tun und uns zuliebe ihre Hirten abschaffen.“
„Alt mag ich sein“, erwiderte der Ausgelachte, „aber nicht kindisch. Ich sprach von einer List. Hört mich an, bevor ihr weiterlacht.“
„Rede! Aber verschwende nicht unsere Zeit mit Narrengeschwätz“, forderte ihn der Große Oberwolfe auf. Und alle wurden wieder still – bis auf ein paar ungebührliche Jungwölfe, die ihre Heiterkeit nicht zügeln konnten, aber nach einem scharfen Blick des Großen Oberwolfes sogleich ihren Schwanz einzogen und sich duckten.

Als der alte Wolf wußte, daß alle ihm zuhörten, begann er: „Hört mich an! Wir Wölfe können nicht die Herden von ihren Hirten trennen. Aber wenn Schafe zu Schafen kämen und ihnen einredeten, daß Schafe keine Hirten brauchen, dann mag es geschehen, daß die Schafe ihre Hirten abschaffen und sich selbst weiden wollen. Sie sind dann zwar nicht mehr so gut versorgt wie von Hirten versorgte Schafe, aber auch schwächer und vor allem – ungeschützt. Doch ich meine: Lieber ein dürres Schaf im Maul eines Wolfes als ein fettes im Pferch des Hirten.“ Und der alte Wolf schwieg.

„Wie willst Du irgendwelche Schafe dazu bringen, daß sie hingehen und anderen Schafen sagen: Wir brauchen keine Hirten. Wir sind unsere eigenen Hirten?“ fragte ihn der Große Oberwolf.

„Ich sprach von einer List: Nicht Schafe werden zu Schafen hingehen, sondern Wölfe! Aber Wölfe, die als Schafe daherkommen! Wölfe in einem Schafspelz!  Einige von uns werden sich als Schafe verkleiden. Sie  werden aussehen wie Schafe, die zur Herde gehören, darum werden ihnen die anderen Schafe glauben. Als Schafe werden sie zu Schafen reden und werden sagen: Wir brauchen keine Hirten. Weg mit ihnen! “
Erregtes Stimmengewirr, Gejaule und Gekläffe erhob sich, als die Wolfsversammlung diesen genialen Pan begriffen hatte. Diese Idee schien allen gut zu sein und es wurden entsprechende Beschlüsse gefaßt.

Und so geschah es, daß plötzlich Schafe (mit einem auffällig großen Maul) in der Mitte der Schafherden auftauchten und neue, bisher ungehörte Reden führten: „Wozu brauchen wir Hirten? Die haben es nur auf unsere Wolle und Milch abgesehen. Glaubt uns, denn wir sind Schafe wie ihr. Wir sind euresgleichen und wir sagen euch: Weg mit den Hirten! Es ist mit der Würde eines Schafes und dem allgemeinen Hirtentum aller Schafe nicht vereinbar, daß es Hirten gibt und es war im Anfang auch nicht so gewesen. Ganz am Anfang hatten wir Schafe keine Hirten und wir waren alle frei und gleich. Daß Schafe Hirten haben ist eine Fehlentwicklung! Darum: Weg mit den Hirten! Wir können uns selber weiden.“

Mitreißende Reden waren es, die vielen Schafen gefielen. Bedenken wurden bedenkenlos weggewischt. Warner wurden ausgelacht.

Und nicht lange danach, da gab es Schafherden, die ohne Hirten waren. Aber frei und gleich waren sie Schafe auch jetzt wieder nicht. Anstatt der Hirten weideten jetzt einige Schafe die anderen Schafe. Sie wurden nicht müde, allen ständig zu erzählen, wie schön es jetzt ohne Hirten sei und daß alles nun richtig sei und viel besser als vorher. Und wehe, ein Schaf wagte es, daran Zweifel anzumelden!
Aber die Herden waren schlecht versorgt und brachen auseinander. Die Schafe zerstreuten sich. Es wieder nur über eine kurze Zeit, da waren die Schafe „erschöpft und verschmachtet“, wie es eben Schafe sind, die keine Hirten haben." (Mt 9,36) Schlecht versorgt und allein – und vor allem schutzlos. Darauf hatten die Wölfe gewartet. Damit hatten sie gerechnet. Solche Schafe waren eine leichte Beute für sie. Sie fuhren unter die zerstreuten Herden und packten die törichten Schafe. Und das  letzte Blöken vieler Schafe, bevor sie in den gierigen Wolfsrachen verschwanden war: „Wir brauchen keine Hirten!“

***

Jesus Christus spricht:

Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.


Es ist nicht bemerkenswert, daß Jesus vor Lügenpropheten warnt. Bemerkenswert ist ganz etwas anderes: Diese Lügenpropheten verkleiden sich offensichtlich nicht als Hirten, sondern als Schafe. Das sollte uns zu denken geben!
Die Lügenpropheten tun nicht so, als ob sie bessere Hirten wären, sondern sie gebärden sich als die besseren Schafe!
Schafe, die es besser wissen als Hirten, aber deutlich und bewußt keine Hirten sein wollen. Denn sonst würden sie im Gewand von Hirten kommen und nicht im Schafspelz. Hütet euch, sagt der Herr.  

Wie soll man da "durchsehen"? Was uns hier angekündigt wird, ist ja nichts weniger als eine große Verwirrung. Schaf steht neben Schaf. Wer will sagen, ob ein Wolf unter dem Fell steckt? Ist Christen nicht das Richten verboten? Werden die Wölfe, die im Schafspelz kommen, nicht zu gegebener Zeit die verwirrten Schafe daran erinnern, daß sie nicht richten dürfen? Sagen die Verderber der Gemeinde denn nicht heute schon: "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, aber der Herr sieht das Herz an. Du darfst nicht richten, weil Du nicht ins Herz blicken kannst. Du bist lieblos! Was nimmst Du Dir heraus?

Was aber sagt Jesus?

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.

Du mußt niemandem ins Herz schauen. Schaue auf die Frucht ihres Tuns. Was kommt bei dem heraus, was sie tun?
Der faule Baum wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Ihm hilft alle Blätterpracht nichts, wenn die Früchte faul sind.
Ins Herz sehen kannst du nicht und es ist auch nicht nötig, daß Du es tust. Was im Herz des Menschen ist, ist ja immer „unerfreulich“. (Mt 15,19)
Es gibt außerdem auch Verderber der Gemeinde, die sich nichts Böses denken und die aus subjektiv edlen Motiven handeln. Wenn Du da ins Herz sähest, sähest Du wohl anständige Beweggründe. Schon Paulus schreibt  von solchen:

Sie verführen und werden verführt.
2 Tim 3,12

***

Richter ist der Herr.

Wenn aber  der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.“
Mt 25,31f.

Die Rede ist hier im Gleichnis von Schafen und von (Ziegen-)böcken! Schafe und Ziegen wurden damals zusammen geweidet und für die Nacht vom Hirten getrennt. Getrennt hat sie der Hirte zu dem Zeitpunkt, den er für gut hielt. Am Abend! Aber man konnte schon am Morgen sehen, was ein Schaf und was eine Ziege ist und mußte nicht bis zum Abend warten, wenn der Hirte die Trennung vornahm. Darum: Seht euch vor!

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

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