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Ist Maria "Mutter Gottes"?

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Biblisch?

Man wendet vielfach ein, daß die die Rede von Maria als "Mutter Gottes" nicht "biblisch" sei. Unter anderem angeblich deswegen, weil die Begriffe "Mutter Gottes" oder "Gottesgebärerin" nicht in der Bibel vorkämen.

Dieses unsinnige Argument kann man aber leicht damit abtun, daß auch das Wort "biblisch" nicht in der Bibel vorkommt.
Dem daraufhin regelmäßig vorgebrachten Einwand, daß zwar nicht das Wort "biblisch", aber sehr wohl die damit gemeinte Sache vorkäme, kann man dann entgegenhalten, daß eben genau das auch von Dingen gesagt werden kann, die von einigen als angeblich "unbiblisch" abgelehnt werden.
Es gibt nämlich eine Reihe wichtiger Begriffe, die sich nicht in der Bibel finden, die aber doch gut zum Ausdruck bringen, was in der Bibel gemeint ist. So kommen beispielsweise auch Begriffe wie "allgemeines Priestertum", „Trinität“, „Exkommunikation“, „Ordination“, „Sukzession“ oder "Christenheit" in der Bibel nicht vor, bezeichnen aber sehr genau in der Bibel Gemeintes. 

Das gilt auch von dem griechischen Wort „Theotokos“, dem höchsten Würdentitel für Maria, die Mutter des Herrn. 
Das griechische Wort „Theotokos“ ist griffig und wohlklingend. Demgegenüber ist die deutsche Übersetzung „Gottesgebärerin“ umständlich und ohne mitreißenden Klang. Vielleicht deshalb hat sich dieser Begriff im Deutschen nicht durchsetzen können.

Ist diese Bezeichnung angemessen?
Wenn

  1. der wahre Mensch Jesus wirklich wahrer Gott ist und

  2. Maria wirklich Jesu Mutter ist, dann ist

  3. Maria, die Jesus geboren hat, konsequenterweise "Gottesgebärerin" bzw. „Mutter Gottes".

Der Titel "Mutter Gottes" bedeutet jedoch auf gar keinen Fall, daß das Gottsein Jesu den Anfang aus Maria hätte, sondern daß der Leib Jesu aus ihr geboren wurde:

Gelobet seist du, Jesu Christ,
daß du Mensch geboren bist
von einer Jungfrau, das ist wahr;
des freuet sich der Engel Schar.
Kyrieleis.

Des ewgen Vaters einig Kind
jetzt man in der Krippen find't;
in unser armes Fleisch und Blut
verkleidet sich das ewig Gut.
Kyrieleis.

Den aller Welt Kreis nie beschloß,
der liegt in Marien Schoß;
er ist ein Kindlein worden klein,
der alle Ding erhält allein.
Kyrieleis.

 

Es versteht sich von selbst, daß diese Aussage nur im Hinblick auf die zweite Person der Trinität gilt. Maria ist die Mutter Gottes, des Sohnes. Maria ist nicht die Mutter Gottes, des Vaters. Sie ist auch nicht die Mutter Gottes, des Hl. Geistes.

 

Das Bekenntnis zu Maria als "Theotokos" als Erkennungszeichen rechtgläubiger Bibelauslegung

In der frühchristlichen Auseinandersetzung um die Gottessohnschaft und die Gottheit Jesu wurde der Gebrauch des Titels Theotokos = "Gottesgebärerin" zum Erkennungszeichen der rechtgläubigen Interpretation der Bibel: Maria hat nicht nur einen Menschen geboren, der erst irgendwann nach seiner Geburt Gott "geworden" wäre, sondern den, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

Es ist kein Zufall, daß gerade zu der Zeit die Frage nach der Gottesmutterschaft Marias geklärt wurde, als in der Kirche um die Gottheit Jesu  gestritten wurde. Denn es geht in der Frage, ob Maria "Mutter Gottes" ist, gar nicht eigentlich um Maria. Es geht eigentlich darum, ob Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist! Wer Maria als Mutter Gottes bekennt, bekennt damit die Gottheit ihres Sohnes.

Die Stellung zur Gottesmutterschaft Marias ist also wie ein Lackmus-Test bezüglich der Ansichten in grundlegenden Dingen wie der Lehre vom Sohn Gottes und der Lehre über die Dreieinigkeit Gottes.  

Wer grundsätzlich und wohlüberlegt bestreitet, daß Maria Mutter Gottes oder Gottesgebärerin ist, wärmt alte Irrlehren wieder auf und offenbart dadurch nicht-christliche Ansichten über Jesus Christus und den dreieinigen Gott. 

Wenn Jesus Christus nicht Gott ist (und deswegen Maria auch nicht Gottesgebärerin) dann ist unsere Erlösung fraglich. Jemand, der ausschließlich Mensch ist, kann uns nicht erlösen: 

Niemals kann ein Mann seinen Bruder loskaufen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben, - denn (zu) kostbar ist das Kaufgeld für ihre Seele, und er muß davon ablassen auf ewig.
Ps 49,8.9

Darum verheißt der Prophet Jesaja: 

Euer Gott selbst kommt und wird euch retten. 
Jes 35,4 (Rev. Elb. Ü.)

Luther schrieb :

Wo es nicht sollte heißen, Gott ist für uns gestorben, sondern allein ein Mensch, so sind wir verloren.
WA L S. 590

Darum bekennt der christliche Glauben von Jesus Christus, er sei 

Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, ... welcher um uns Menschen und um unsrer Seligkeit willen vom Himmel kommen ist, und ist leibhaft worden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch worden. 
Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel

Eben um die Ehre Gottes zu wahren und um der Gewißheit unserer Erlösung willen faßte darum im Jahre 431 die Ökumenische Kirchenversammlung von Ephesus den Beschluß:

Wenn jemand nicht bekennt, daß der Emmanuel in Wahrheit Gott und die heilige Jungfrau deshalb Gottesgebärerin ist ... so sei er ausgeschlossen.

Diese Formulierung der Väter von 431 zeigt sehr deutlich: Es geht letztendlich nicht um Maria, sondern um den Sohn.

Die evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften übernehmen übrigens zu Recht ganz selbstverständlich den Begriff "Mutter Gottes" für Maria:

Daher glauben, lehren und bekennen wir, daß Maria nicht einen bloßen, pur lautern Menschen, sondern den wahrhaftigen Sohn Gottes empfangen und geboren habe, darumb sie auch recht die Mutter Gottes genennet wird und auch wahrhaftig ist.
Epitome, VIII,7

und

Maria, die hochgelobte Jungfrau, (hat) nicht nur ein pur lautern Menschen, sondern einen solchen Menschen, der wahrhaftig der Sohn Gottes, des Allerhöchsten ist, geboren, wie der Engel zeuget; welcher seine göttliche Majestat auch in Mutterleibe erzeiget hat, daß er von einer Jungfrauen, unvorletzt ihrer Jungfrauschaft geboren; darumb sie wahrhaftig Gottes Mutter und gleichwohl eine Jungfrau geblieben ist.
Solida declaratio VIII,24

Erst seit der Aufklärung ist im Protestantismus das Marienlob verebbt - nicht weil man etwas gegen Maria hätte, sondern weil der Glauben an die Gottessohnschaft Jesu verloren ging und damit auch der Grund für die Preisung der Seiner Mutter.

Gemäß dem christlichen Glauben halten wir an dem Bekenntnis zu den zwei Geburten des Herrn fest: an einer göttlichen und an einer menschlichen; jene vollzieht sich zeitlos, diese in der Zeit. Beide sind indes wunderbar: jene ohne Mutter, diese ohne Vater.

Maria als "Mutter Gottes" zu bezeichnen ist kein spezieller Brauch römisch-katholischer oder orthodoxer Christen, sondern Ausdruck des allgemeinen christlichen Glaubens.

Es braucht sich kein evangelischer Christ zu entschuldigen, wenn er die schöne und angemessene Bezeichnung "Mutter Gottes" für Maria verwendet oder sich gar vorwerfen lassen, er stehe außerhalb evangelisch und allgemeinchristlicher Glaubensüberzeugungen. Außerhalb des allgemein-christlichen Glaubens steht vielmehr der, der Maria diesen Titel verweigert!

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siehe auch: Marienlob eines Reformators

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